P R O - K U N S T
D i e   U m f r a g e   z u  K u n s t   i m   I n t e r n e t

E r g e b n i s s e

Als Initiative pro Kunst lief von 2001 bis 2002 ein Umfrageprojekt, das aktuelle Tendenzen der Kunstwahrnehmung im Internet für die künstlerische Projektarbeit ausgelotet hat: 24 Nutzer wurden über ihre Meinung zu bildender Kunst mit einem qualitativ ausgerichteten Fragebogen im Internet befragt.

Für diese Umfrage wurde nicht gezielt geworben, die Beteiligung kam über Links im www, Foren und Mailingslisten zustande. Die Befragung richtete sich an Kunstinteressierte, die durch Stöbern im Netz geleitet wurden. Deren Motivation zur Beteiligung an der Umfrageaktion war eine Initiative pro Kunst. Die Antworten offenbaren ein breites Bild mit sehr individuellen Herangehensweisen zu Kunst im Internet. Allgemeine Schwerpunkte, Trends und Aussagen pro Kunst ... 

Der Zugang zur Kunst

Mit Kunst werden sowohl konkrete Werke im eigenen Lebensumfeld als auch speziell einzelne Künstler assoziiert. Der Zugang zur Kunst erfolgt eher vom regionalen Umfeld über Veranstaltungen und Initiativen als über das klassische Betriebssystem Kunst mit musealen Events. Vorangig werden dabei die Formen Malerei und gleichwertig Skulptur/ Objekt bzw. Installation in den Blick genommen. Nachfolgend werden Fotografie, Film, Video als ansprechend bezeichnet. Netzkunst, Performance und Multimediaarbeiten werden weniger geschätzt.

Was ist Kunst / Wodurch beeindruckt Kunst?

Es wurden ausführlich individuelle Kunsterlebnisse geschildert. Dabei zeichnet sich kein allgemeines Feld ab, die Vorlieben/ Präferenzen bewegen sich von alten Meistern des 15 Jh., über die klassische Moderne bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten. Eine Tendenz zur Malerei wird deutlich, aber auch sehr innovative Aktionserlebnisse, Perfomances und Installationen werden genannt.

Eine Annäherung an die Fragestellung wurde durch ein Angebot an allgemeinen Schlagworten aus den Bereichen der visuellen und inhaltlichen Ausprägung von Kunstwerken versucht. Es haben sich in der Häufigkeit zwei Pole gebildet: Auf der visuellen Seite wurden primär "emotionale Anregung", "Farbe" und "Schönheit" genannt. Auf der inhaltlichen Seite wurde mit Kunst "Kommunikation", "Denkanstoß", "Komplexität" und "Spiegel der Gesellschaft" verbunden.

Kunst + Kauf

86% der Befragten besitzen bereits Papierarbeiten, Gemälde oder auch kleine Objekte, die oftmals in Zusammenhang mit einer persönlichen Bekanntschaft zum Künstler stehen. 41% können sich einen Kunstkauf von Malerei und Skulptur vorstellen.

Die Preisvorstellungen fallen dabei auseinander: Eine Häufigkeit liegt primär bei 500 bis 1000 DM und die andere, geringere bei 10.000 DM bis mehr als 50.000 DM. Für die Kaufentscheidung sind fast ausschließlich das persönliche Gefallen der Kunstwerke wichtig, gefolgt von Aussage, Qualität der Ausführung und Material. Ein Renommee des Künstlers wurde nicht als wichtig eingestuft.

Eine Kauf von Kunst im Internet können sich 27% vorstellen. Es wurden jedoch auch die Einschränkungen angeben, dass die Arbeiten dem Käufer bekannt sein sollten und Netzkunst sich einem Verkauf verschließe, da sie frei änderbar sein sollte. Demgegenüber lehnen 73% einen Kunstkauf im Internet konkret ab. Es wurden sowohl der materiale, visuelle Eindruck vorangestellt als auch der persönliche, emotionale Bezug zum Kunstwerk. Daneben wurden der unsichere Geschäftsweg bemängelt und finanzielle Transaktionen über das Netz abgelehnt.

Netzkunst und Kunst im Netz

Alle Befragten haben Erfahrungen mit Kunst im Netz gemacht. Der Zugang erfolgte über Netzkunstprojekte, Künstlerseiten, online-Galerien und Ausstellungen, die im Surfverhalten durch Suchmaschinen/Kataloge, systematisches Linkverfolgen und bookmarks erreicht wurden.

Für die Definition von "Netzkunst" wurden Aussagesätze angeboten, die bewertet werden konnten. "Netzkunst" ist/sind demnach: eine interaktive Möglichkeit für den Betrachter; virtuelle Kunst; Kunst, die im Netz entsteht und nur dort funktioniert; Projekte im Netz, die Austausch und Zusammenarbeit anbieten. Abgegrenzt wurde der Begriff "Netzkunst" von: Gemälde und Skulpturen, die im www "ausgestellt" sind und Homepages mit künstlerischen Fotografien.

Bei einer Stichwort-Assoziationsabfrage zeigte sich, dass mit Netzkunst eher negative Eindrücke verbunden werden: "etabliertes, intellektuelles Zeug"; "mehr Schein als sein"; "enttäuschend"; "technisches Scheitern". Demgegenüber stehen wenige positive Erlebnis-Aussagen: "witzig, kreativ, überraschend"; "neu, spannend, unberechenbar"; "intelligent". Deutlich wird, das Netzkunstarbeiten kaum im Gedächtnis haften blieben und keine Arbeiten konkret mit Ort benannt werden konnten.

Befragtenprofile

Die Befragten haben sich alle als kunstinteressiert eingeordnet, wobei ein privates und berufliches Interesse an Kunst und Kultur ausgeglichen war. Im Berufeprofil waren Studenten, Lehrende/ Wissenschaftler, Künstler, Freiberufler, IT-Berufe. Unter den Teilnehmern waren 40% Männer und 60% Frauen, davon 15% unter 30 Jahre alt, 60% im Alter von 30-45 Jahren, 25 % über 45 Jahre.

Die Internetnutzung erfolgt bei den Befragten zu gleichen Teilen privat wie am Arbeitsplatz. 40% sind täglich online, die meisten 1-2 Stunden wochentags und am Wochenende etwas weniger. Das Internet wird primär zur Informationsrecherche genutzt, zur Kommunikation und als Zugang zu Kunst und Kultur.

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atelier KUNSTKOMMT!
Michelle Adolfs & Petra Müller
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